Darum ist gesundes Essen so wichtig

Kinder wollen essen, was ihnen schmeckt. Dazu zählen vor allem Süsses und Fettiges. Gemüse und Obst dagegen rangieren auf der Beliebtheitsskala weit unten. Doch auch wenn es für Eltern nicht immer einfach ist, ihre Kinder zu einem gesunden Essverhalten anzuhalten: Eine ausgewogene Ernährung ist das A & O für eine optimale Entwicklung. Fünf Gründe, warum es sich lohnt, den Nachwuchs von klein auf gesund zu ernähren.

Die Grundlagen für ein gesundes Ernährungsverhalten werden früh gelegt. So ergab eine Studie des Dortmunder Forschungsinstituts für Kinderernährung (FKE), dass die Lebensmittel- und Nährstoffmuster nach dem zweiten Lebensjahr stabil bleiben. Das heißt: Die Chance, Kinder zu einem gesunden Ernährungsverhalten zu erziehen, ist nie wieder so groß wie in dieser Zeit. Daher ist es besonders wichtig, die Vorlieben von Kindern möglichst früh durch unterschiedliche Geschmackserlebnisse positiv zu beeinflussen. Eine variantenreiche Ernährung schon in der Beikostphase kann die Akzeptanz von gesunden Lebensmitteln nachhaltig erhöhen. Bei der Umsetzung kommt den Eltern eine ganz besondere Rolle zu: Durch ihre Vorbildfunktion können sie gerade in dieser frühen Phase massgeblich die Ernährungsgewohnheiten ihrer Sprösslinge prägen. Wenn sich die Eltern auf eine Portion frisches Obst freuen, so schmilzt auch bei den Kleinen schneller der Widerstand gegen ein vielleicht noch ungeliebtes bzw. ungewohntes Lebensmittel.
Bei der Geburt können Kinder fünf Geschmacksrichtungen unterscheiden: süß, sauer, salzig, bitter und umami (deftig/herzhaft). Dabei ist eine Vorliebe für Süßes angeboren und schon die Muttermilch hat eine leicht süßliche Note. Dies ist evolutionär gesehen durchaus sinnvoll, denn: Giftige Pflanzen schmecken meist bitter, nahrhafte dagegen eher süß. Geprägt werden Geschmacksempfinden, Vorlieben und Abneigungen aber auch im Kleinkindalter. Daher ist es besonders wichtig, Kindern eine breite Vielfalt an Lebensmitteln anzubieten. Säuglinge, die eine abwechslungsreiche Beikost erhalten, sind auch im späteren Leben bessere und unkompliziertere Esser. Dies ergaben auch Studien von Dr. Maier-Nöth (Maier et al., 2008). Eltern sollten also auf möglichst viel Abwechslung schon zu Beginn der Beikost achten.

 

 

 Da Kinder mehr oder weniger Zeit benötigen, einen neuen Geschmack kennenzulernen, brauchen Eltern aber vor allem eins: Durchhaltevermögen! So sollten sie nicht zu schnell aufgeben und neue Lebensmittel immer wieder anbieten, auch wenn diese anfangs abgelehnt werden. In Studien zum Essverhalten von Kleinkindern konnte Dr. Maier-Nöth nachweisen, dass es bis zu 8 Versuche braucht, bis Kinder einen neuen Geschmack akzeptieren. Dabei reichen schon kleine Portionen, um das Kind an den Geschmack zu gewöhnen – dies sogar nachhaltig: Fast alle Säuglinge mochten das zunächst abgelehnte Gemüse 9 Monate später immer noch. Und selbst 2/3 der Kinder schmeckte es noch im Alter von 6 Jahren.

Während man also schon früh eine breite Palette an natürlichen und frischen Nahrungsmitteln einführen sollte, ist bei industriell hergestellten Fertigprodukten Vorsicht geboten. Sie sind häufig gewürzt oder mit Aromastoffen versehen und können die geschmacklichen Vorlieben von Kindern negativ beeinflussen. Wer als Kleinkind nur den stark gezuckerten und aromatisierten Bananenquark isst, gewöhnt sich daran. Ein selbstgemachter Joghurt mit frischen Früchten schmeckt dann im Vergleich einfach fad.

Nahrung ist der Treibstoff für den Körper. Ein Mangel an Nährstoffen hat negative Folgen: Man fühlt sich schlapp und müde, ist schlecht konzentriert und schneller gereizt. Für Kinder ist eine ausgewogene Ernährung besonders wichtig, denn: Nach dem ersten Jahr wachsen Kinder durchschnittlich 8 cm pro Jahr. Deshalb ist der Nährstoffbedarf um ein Vielfaches höher als bei einem Erwachsenen. Für das Wachstum und eine gesunde Entwicklung braucht der Körper aber die richtige Menge an Kohlenhydraten, Eiweißen, Fetten, Vitaminen und Mineralstoffen. Ähnlich wie bei Erwachsenen sollte auch bei Kindern der Hauptteil der Ernährung aus pflanzlichen Lebensmitteln und gesunden Getränken bestehen. Tierische Produkte dagegen wie Fleisch oder Eier sollten nur in mässigem Umfang, fett- und zuckerreiche Speisen in geringen Mengen auf dem Speiseplan stehen. Stimmt das Verhältnis dieser drei Komponenten, sind kleine Leckereinen wie ein Stück Schokolade oder ein Eis ab und zu in Ordnung.
Zuviel Fast Food kann nicht nur depressiv machen. Wissenschaftler vermuten sogar, dass sich eine schlechte Ernährung negativ auf die geistige Leistungsfähigkeit auswirken kann. Gemäss einer wissenschaftlichen Studie hatten Kinder, die sich im Alter von drei Jahren zu süß und zu fett ernährten, mit acht Jahren einen leicht verminderten IQ im Vergleich zu Kindern, die v.a. Salat, Reis, Nudeln, Fisch und Früchte aßen. So ist es in der frühen Kindheit besonders wichtig, dass Kinder alle wichtigen Nährstoffe erhalten. Ein Eisen- oder Jodmangel – z.B. durch exzessiven Genuss von Fertiggerichten – kann zu dauerhaften Schäden führen. Reizbarkeit, Nervosität und Konzentrationsmangel sind die Folgen.

Zwar ist der IQ durch die Ernährung kurzfristig nicht zu beeinflussen. Allerdings lässt sich die kognitive Leistungsfähigkeit von Kindern in der Schule durchaus positiv beeinflussen. Dies zum Beispiel, wenn sie morgens gesund frühstücken.

In den ersten 1000 Tagen des Lebens – also von der Empfängnis bis zum Ende des 2. Lebensjahres – werden die Weichen gestellt. Die Ernährung in dieser Zeit entscheidet zu einem grossen Teil über das spätere Risiko, an Übergewicht, Diabetes oder Bluthochdruck zu erkranken. Hierbei kommt der frühkindlichen Entwicklung von Essgewohnheiten eine ganz besondere Bedeutung zu. Je variantenreicher ein Kind gelernt hat zu essen, desto besser wird es mit allen lebenswichtigen Nährstoffen versorgt. Dies ist die Basis für eine optimale physische wie psychische Entwicklung.

Doch nicht nur das: Verschiedene epidemiologische Studien haben gezeigt, dass die frühkindliche Ernährung auch bei der Ausbildung von Allergien eine Rolle spielt. Entgegen früheren Annahmen trainiert der frühzeitige Kontakt mit potenziellen Allergenen das noch unausgereifte kindliche Immunsystem und verhindert so spätere, überschiessende Fehlreaktionen. Je vielfältiger ein Kind also isst, desto besser ist es vor Allergien geschützt.